Bericht vom Spaziergang durch den Stadtwald

Vierter Spaziergang der BI – diesmal durch den Stadtwald

Revierförster Saamer konnte nach Intervention der Umweltdezernentin dann doch noch als Experte dabei sein und den Zustand des Waldes erläutern

Die Bürgerinitiative im Stadtwald

Turbulente Stunden: am Freitagnachmittag (!) traf die Information bei uns ein, dass Revierförster Axel Saamer von seiner Dienstvorgesetzten in der Stadtverwaltung keine Genehmigung erhalten hatte, uns bei unserem Waldspaziergang an der A5-Trasse zu begleiten (vgl. unsere vorangegangene Pressemitteilung). Danach intervenierte offenbar Umweltdezernentin Rosemarie Heilig in der Behörde und wir erfuhren im Lauf des Samstag-Vormittags, dass uns Herr Saamer jetzt doch führen durfte, was uns sehr freute.

Wir bedanken uns bei ihm für die Bereitschaft, seine Expertise mit uns zu teilen!

Am Spaziergang vom Waldfriedhof Goldstein aus nahmen gut 50 Personen teil. Herr Saamer erläuterte uns an verschiedenen Orten die wichtigen Funktionen des Stadtwalds z.B. als Wasserreservoir, zum Boden- und Artenschutz und als Naherholungsgebiet, aber auch die drastischen Veränderungen und Schäden im Wald, wie sie vor allem durch den Klimawandel und dadurch veränderte Standortbedingungen hervorgerufen werden. Die deutlich länger anhaltende und höhere Hitze sowie längere Trockenperioden haben beispielsweise schon zu einem starken Pilzbefall geführt, dem einen Großteil des Kiefernbestandes zum Opfer gefallen ist. Neue Gehölze haben sich angesiedelt, die dem Tierbestand nicht als Nahrung dienen und gleichzeitig einheimische Baumarten verdrängen.

Bestes Wetter im Stadtwald zum Spaziergang der BI

Wenige hundert Meter entfernt standen wir dann vor einem der wichtigsten Verursacher des Klimawandels. In der Nähe der Autobahn A5 war es akustisch schwierig, sich normal zu verständigen. Hier wurde die Funktion des Waldes als praktischen Lärmschutz mehr als deutlich. Die Trasse reicht schon heute bis dicht an den Baumbestand heran. Auf beiden Seiten der Trasse gehört bereits jetzt ein Streifen von ca. 13* bis 15 Metern Breite der Autobahn-GmbH. Dieser Bereich ist im Moment nicht vom Bannwaldgebiet des Stadtwalds zu unterscheiden.

Anreise in den Stadtwald per Fahrrad oder Straßenbahn

Der Unterschied ist rein rechtlicher Natur: Während auf dem Gebiet des Stadtwalds Bäume nur unter Auflagen gerodet werden dürfen, ist der Baumbestand auf dem Gebiet des Bundes in keiner Weise geschützt. Die A5 hat dort, wo unser Spaziergang direkt an ihr endete, nach Süden drei reguläre Fahrstreifen sowie zwei Ausfädelstreifen und einen Standstreifen, nach Norden vier Fahr- und einen Standstreifen. Bei einem zehnspurigen Ausbau plus Ausfädel- und Standstreifen ergäbe sich damit in der Breite nahezu eine Verdoppelung der jetzigen betonierten Fläche – unvorstellbar. Zudem müsste aus Sicherheitsgründen (Windbruch) wiederum auf beiden Seiten der A5 ein Sicherheitsstreifen gerodet werden, der dann noch zu der bereits abgeholzten Fläche dazu käme. Abgesehen davon müssten Erdarbeiten von großem Ausmaß erfolgen, da die Autobahn hier in einer Senke liegt. Wir können nur empfehlen, sich selber einen Eindruck von der Lage vor Ort zu machen.

Mit einem improvisierten Kaffeetrinken im Wald endete dieser Spaziergang. Wir diskutierten unsere Eindrücke und sprachen über Fragen des Grundwassers, Entwässerungsschwierigkeiten bei einer weiteren Versiegelung und zu erwartenden Starkregenereignissen, die Verkleinerung des Gebiets für die jetzt schon isolierte Wildschweinpopulation im Stadtwald, die Abwasserkanäle vom Flughafen, die hier im Boden liegen, alte Bäume, die verloren wären, selbst wenn die abgeholzte Fläche anderswo eine Ausgleichsfläche zugewiesen bekäme, Erfahrungen mit Autobahnausbauten anderswo (dort gibt es Probleme mit dem Grundwasserschutz). Wir haben viel für unsere weitere Arbeit mitgenommen. Dieser Spaziergang wird nicht unser letzter gewesen sein!

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie noch einmal bei Herrn Saamer für seine Begleitung.

Das nächste Treffen der BI findet am Donnerstag, 19.10.2023, 19 Uhr, Gaststätte “Mainglück” im Ruderclub Griesheim, Griesheimer Stadtweg 77a statt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

BI „Es ist zu laut“
7.10.2023

*Es sind teilweise nur 9 Meter.

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